Tausch, Geld und Zins

  1. Historische Entwicklung

  2. Anforderungen an Geld oder wann vertrauen wir dem Geld?

  3. Der Zins

  4. Die Geldmenge

nach oben Historische Entwicklung

Je weniger wenige verlässliche Informationen über die Vergangenheit vorliegen, desto schwieriger sind Aussagen darüber, wie es wirklich war. Über die Frühzeit der Menschheit geben nur archäologische Forschungsergebnisse ein Bild ab. Mit Hilfe anderer Wissenschaftszweige (Geologie, Dentrologie, Klimaforschung, DNS-Untersuchungen, Physik usw.) ergeben sich doch mitunter brauchbare historische Hinweise. Hier wird eines der vielen möglichen Szenarien vorgestellt.

nach oben Tausch und Arbeitsteilung als Grundbedingung des Homo Sapiens

Wer alles, was er braucht, selbst erzeugt, also autark lebt, braucht keinen Markt und kein Geld. Er ist dann aber extrem von Wetter, Jagdglück und seinen Talenten, als Bauer, Fischer, Grubenarbeiter, Holzfäller, Schreiner, Schnitzer, Steinmetz, Töpfer, Spinner, Weber usw. abhängig. Dass war vor der Steinzeit wohl die Regel und ist es vielleicht heute noch in manchen abgelegenen Gebiete der Erde. Der Frühmensch lebte vermutlich in Sippen, in der die Mitglieder alle irgendwie miteinander verwandt waren. Die Sterblichkeit war hoch, Krankheiten, Hunger, Jagdunfälle und das Wetter forderten ihren Tribut. Je größer eine Sippe war, desto stärker konnte sich innerhalb der Sippe eine Arbeitsteilung entwickeln. So konnte die Sippe sich unterschiedliche Nahrungsquellen erschließen, was die Wahrscheinlichkeit ihres Überlebens erhöhte. Die Führung der Sippen lag bei den Ältesten, die über Erfahrung im Umgang mit Chancen und Gefahren hatten und die strategischen Entscheidungen für die Sippe trafen. Deren Geschlecht dürfte dabei eher nebensächlich gewesen sein, d.h. es gab wohl genau so viele matriarchalisch wie patriarchalisch geführte Sippen. Natürlich spielten diese Führer auch bei der Lösung von Konflikten innerhalb der Sippe eine entscheidende Rolle. Je länger sie verhindern konnten, dass die Sippe an diesen inneren Konflikten zerbrach, desto höher waren die Überlebenschancen der Sippe. Diese Phase dauerte über 60 000 Jahre.

Eher gegen Ende dieser Zeit wurden religiöse Praktiken - entstanden wohl aus der Verehrung gemeinsamer Ahnen, die an wichtige Ereignisse oder Erkenntnisse erinnern sollten - entwickelt, die es den Sippen ermöglichten, als größere Sippenverbände friedlich zusammen zu leben. Dadurch mögliche zunehmende Arbeitsteilung und wachsendes Know How verbesserten die ökonomische Situation des Verbandes. Einzelpersonen, Künstler und Priester, konnten Statuetten, Höhlenmalereien oder astronomische Kalender und die Gemeinschaft Menhire, Tempel und andere religiöse Orte errichten. Menschen- und Tieropfer wurden dargebracht und sollten das Jagdglück und das Wohlwollen der Ahnen erhalten. Megalithbauten waren zentrale Zeit- und Treffpunkte für die Mitglieder der Sippenverbände, die sich diesen Riten unterwarfen und dadurch ihre Zusammengehörigkeit zeigen konnten.

Konflikte wurden in der Frühzeit wohl vor allem durch Ausweichen (Flucht) bewältigt. Die Welt war groß und es gab auch anderswo gute Fisch- oder Jagdgründe. Krieg dagegen war zu verlustreich und der Sieg keineswegs sicher. Der Kampf mit der Natur ums eigene Überleben war schon hart genug und die Möglichkeit ihn durch Kontakt mit Anderen besser zu bewältigen war verlockender als alle Kriegsaussichten.

Mit dichter werdender Besiedlung nahmen zwangsläufig auch die sporadischen Kontakte zwischen den Sippen und Sippenverbänden zu. Wahrscheinlich waren die meisten Begegnungen friedlich. Anfangs tauschte man vielleicht Fisch gegen Felle oder Fleisch oder Jagdwaffen oder Waldfrüchte zwischen den Sippen und wurde so einerseits noch unabhängiger von Glück und Wetter. Andererseits sorgte das sich durch die Spezialisierung größer werdende Erfahrungswissen und der Knowhow Transfer zwischen den Sippen für immer höhere Erträge, die man vielleicht gar nicht alle selbst verbrauchen konnte, sondern zum Tausch verwenden konnte und wollte, um etwas, was man selbst benötigte zu bekommen. Auch der Austausch von Geiseln oder geschlechtliche Kontakte mögen zu Knowhow-Transfer und friedlichen Umgang miteinander beigetragen haben. Es ist zu vermuten, dass diese Spezialisierung und die für den Tausch mit anderen Sippen erforderlichen gemeinsamen Sprachfragmente letztlich die Überlegenheit des Homo sapiens gegenüber einseitiger auf Großwildjagd spezialisierten Neandertalern ausmachten.

Ziemlich sicher musste in den Begegnungen auch Misstrauen überwunden werden, denn nicht immer liefen die Begegnungen friedlich ab. Persönliche Konflikte, die zu Abspaltungen von Sippenteilen geführt haben und Rachegedanken und Begehrlichkeiten waren konfliktträchtig. Auch die Chance auf schnelle Beute hat sicher viele verlockt, ihre kurzfristigen Ziele über die längerfristigen Vorteile des menschlichen Tauschhandels zu stellen. Es wird auch Episoden gegeben haben, in denen verzweifelte und ausgestoßene Banden aus purer Not gewalttätig wurden. Eine Harmonie des Menschen mit der Natur dürfte in der Frühzeit eher die Ausnahme gewesen sein. Das Ringen mit der Natur und ihrer Gefahren dürfte das in der Regel kurze Leben geprägt haben

Hunde waren schon in der Jäger und Sammlerzeit als Gefährten der Menschen domestiziert. Nach diesem Vorbild wurden im Laufe der Zeiten auch andere Tiere domestiziert und die Nahrungsversorgung weiter verbessert. Es gab neue Tauschobjekte: Rentiere, Hühner, Ziegen, Schafe, Rinder, Schweine,... und Tierprodukte: Eier, Milchprodukte, Wolle... Letztere konnte zu Fäden gesponnen, zu Tuch verwebt und zu Kleidung verarbeitet werden....

Tausch und Arbeitsteilung sind so alt wie der homo sapiens.
Auch dadurch war er anderen Frühmenschen. z.B. den Neandertalern überlegen.

nach oben Geld und Handel steigern die Effizienz des Tausches

Die Vielfalt der Produkte machen den Tauschvorgang zunehmend kompliziert. Wenn sich Emil auf dem Markt ein Tuch gegen seine Ziege tauschen möchte, dann kann es sein, das er keinen findet, der eine Ziege braucht und für Tuch eintauscht, aber wohl vielleicht Fritz, der gerne eine Ziege hätte, und dafür Hühner abgeben würde. Dann gibt es vielleicht Hannelore, die bereit ist, für Hühner Wurzeln und Beeren herzugeben. Unter den Tuch-Anbietern gibt es vielleicht Gerlinde, die bereit ist, Tuch für Beeren und Wurzeln zu tauschen. Es wird Emil schwer fallen all diese Tauschpartner zu ermitteln und dann einen Ringtausch zustande zu bringen, mit dem jeder zufrieden ist. Und das ist nur ein einfacher Fall. Eine von allen begehrte Ware wie Beeren und Wurzeln reduziert das Suchproblem und beschleunigt diese Tauschvorgänge außerordentlich. Emil verkauft seine Ziege am Anfang bei Fritz in Wurzeln und Beeren und geht dann stracks zu Gerlinde um dafür Tuch zu kaufen.

Die 12 jährige Inge, die schon immer ihre Nase überall reingesteckt hat, wird Emil früh treffen und ihm Tipps geben können, wo er die entsprechenden Partner findet. Wenn sie dabei erfolgreich ist, hat Emil ihr vielleicht aus Dankbarkeit ein paar Beeren überlassen. Auch die anderen Tauschpartner werden ihr die Vermittlungstätigkeit honoriert haben. Sie konnte sich als Maklerin ernähren. Das nächste Mal organisierte sie vielleicht einen zentralen Platz, an dem alle Tauschwilligen ihre Produkte präsentieren können und nahm Tauschwaren in Kommission, um ihren Besitzern die sonst nötige persönliche Anwesenheit zu ersparen. Das funktioniert natürlich nicht sofort, sondern erst, wenn alle Beteiligten Inge vertrauen. Im Zuge de allgemeinen Spezialisierung werden sich früh Experten herausgebildet haben, die sich wie Inge einen Überblick über Tauschwünsche verschaffen, Waren in Kommission nahmen oder wenn sie genügend verdient haben, selbst Waren kaufen und mit diesen handeln. In einem nächsten Schritt werden diese Händler dann sich selbst auf die Wanderschaft zu anderen Sippen gemacht haben um dort Dinge einzutauschen, die sie daheim gut brauchen konnten. Trafen sie unterwegs auf andere Händler, konnten sie mit diesen direkt ihre Geschäfte abwickeln und so konnte jeder wieder schneller nach Hause kommen. Es bedurfte nur wenig Organisationstalent um aus diesen zufälligen und sporadischen Begegnungen Handelsnetze zu knüpfen und so Waren über große Entfernungen zu handeln. Dies Vernetzung des Handels brachte es auch mit sich, dass sich zwischen den Händlern überregional gültige Tauschrelationen etablierten. Von den Abweichungen der lokalen Tauschrelationen von diesen überregionalen Standards deckten die Händler, ihre Reisekosten, Schutzgelder, oder Verlustrisiken. Von dem was übrig blieb, lebten und profitierten sie.

Zu Hilfe kamen ihnen Orte, an denen Sippen schon früh sesshaft wurden, weil es dort besondere Vorkommen gab, z.B. Feuerstein oder Tonerde hoher Qualität. Diese Sippen konnten sich dort entsprechend und erfolgreich spezialisieren, weil der Handel sie mit den anderen lebensnotwendigen Gütern versorgte. Verstärkt wurde der Handel sicher auch durch den Übergang zum Ackerbau und die Entwicklung der Landwirtschaft, wo Menschen über längere Zeit an einem Ort blieben. Dort konnten sich Märkte und Handelszentren entwickeln. All diese Entwicklungen führten zu höherer Siedlungsdichte und größeren Sippen, in denen auch Fremde integriert werden konnten. Es ist plausibel, dass ein Zentrum dieser Entwicklung in Anatolien lag. Ebenfalls plausibel ist, dass dort lange das Matriarchat dominierte und die Ana die Mutter als Mutter Erde zur Gottheit erhoben wurde. Menschen mussten ihr nicht mehr geopfert werden, es reichte aus Haustiere oder Nahrungsmittel zu opfern Die Verehrung der Aphrodite reichte bis in die Römerzeit.

In dieser Zeit wurde der Handel intensiviert. Die frühsten Zahlzeichen des indogermanischen Raums entstanden in Anatolien. Plausibel ist auch, dass die Entwicklung im Balkan anders verlief, und sich dort Sippen zu Stämmen zusammen schlossen. da dort Bewachung und Verteidigung der Besitztümer gegen Raubtiere und Räuber zunehmend Bedeutung erlangte. Damit wurde das Patriarchat in der Führungsstruktur dieser Stämme wichtiger, weil Männer kräftiger und abkömmlicher waren als Frauen.

Trapezmikrolit

Nachweisbar ist dieser Handel als Fernhandel von Gütern, meist Rohstoffen, welche am Fundort natürlicherweise nicht vorkommen und (nach langer Zeit) durch Archäologen noch identifizierbar sind, wie Feuerstein oder Muschelschalen und Schneckenhäuser. Dieser Definition entsprechend betrieb der Homo sapiens Handel schon sehr lange. Im Gegensatz dazu fehlt für Neandertaler jeder Nachweis des Gebrauchs von Gegenständen aus einer Entfernung von mehr als 50 Kilometer.

Fernhandel und Standard-Tauschmittel steigern die Effizienz
Zahlen, Rechnen und frühe Geldwirtschaft entstanden wahrscheinlich in Anatolien

nach oben Metallverarbeitung und Münzen

Gold und Silber kamen in der Natur vor und mussten nicht durch chemische Prozesse gewonnen werden. Daraus wurden schon sehr früh Gefäße und Schmuck hergestellt. Daher wohl auch die hohe Wertschätzung dieser Metalle. Kaurigeld war der Tauschstandard in Afrika und Asien. Mit Kupfer, das verhüttet werden musste und später Bronze kam es zur weitere Spezialisierung und neue Produkte für den Handel. Daraus ließen sich bessere Werkzeuge und Waffen herstellen. Diese Produkte waren sehr begehrt und erlaubten eine höhere Produktivität, aber auch die Chance, in kriegerischer Konfliktlösungen mit überlegene Waffen leichte Sieg und Beute zu erringen. Die Professionalisierung des Tausches durch Händler führte schnell zur Definition von Metallen als Standards für überregionale Geschäfte, weil Metalle ihren Wert besser behielten als z.B. landwirtschaftlich Produkte und auch leichter in passende Teile zerlegt oder zusammengeschmolzen werden konnten, wobei Waagen eine immer wichtigere Rolle spielten. Zunächst spielten je nach Region Kupfer-, Silber- und Goldstücke die Rolle des Geldes.

Später wurden standardisierte Metallmünzen geprägt, und als Zahlungsmittel durchgesetzt, Die Herrschenden erkannten nämlich, dass es oft nicht auf den materiellen Wert der Münzen ankam, sondern darauf, was man mit den Münzen kaufen konnte, so dass sie Münzen z,B. mit ihrem Bild in den Umlauf brachten


Münze
und ihren Untertanen befahlen, diese Münzen als Ersatz für die äquivalente Gold- oder Silbermenge anzunehmen. Sie versprachen, jederzeit das Gold- oder Silberäquivalent für den Münzwert einzulösen. Dies funktionierte dann auch für Nicht-Untertanen, wenn Händler sich aus Imagegründen ebenfalls Eintauschmöglichkeit offerierten. denn sie könnten via Untertanen diese Umtauschgarantie ebenfalls nutzen. Spezialisierte Geldwechsler kannten all diese Zusammenhänge und man konnte bei ihnen Münzen in andere umtauschen ohne all zu sehr übers Ohr gehauen zu werden. Damals begannen auch Fälscher Münzen aus billigeren Metallen herzustellen und es bedürfte immer ausgefeilterer Methoden, um diese Fälschungen zu erkennen.
Geprägte Münzen kombinieren Langlebigkeit. einfaches Rechnen und Unterteilen.
Die Herrscher versprechen sie gegen echtes Gold oder Silber einzutauschen..

nach oben Die Magie des Geldes

Gold und Silber spielte auch in religiösen Riten eine wichtige Rolle. Gläubige opferten es, um sich den Segen und Gunst der Götter zu erlangen. Die Edelmetalle schmückten bald die Abbilder der Gottheiten und demonstrierten so deren Macht. Klar, dass davon auch die Priesterschaft und die mit ihr verbundene weltliche Macht profitierte.

Wer kennt nicht die Magie des Goldes oder den Goldrausch, der viele in ferne Länder lockte, in denen sie sich sagenhafte Reichtümer zu erwerben hofften und oft genug dabei umkamen. Oder die vielen Opfer, die einfache Gläubige in der Hoffnung auf Sündenerlass im Ablasshandel zur Reinigung ihrer Seele erbrachten und sogar heute noch in bescheideneren Umfang erbringen? Gold und Geld wird so eine geradezu magische Kraft zugeschrieben.


EZB Frankfurt

Da dem Opfergold so viel Einfluss zugedacht wurde, entwickelte sich ein Mythos um das Gold, dass noch heute nachwirkt: Banken gleichen Tempeln und Banker gerieren sich als Priester, die Geldopfer der Sparer wie durch ein Wunder vermehren können und Kredite nach sorgfältiger Prüfung als Gnade gewähren. Begnadete Kreditnehmer geben dann Opferzinsen, wenn sie zu Geld gekommen sind. Der Chef der EZB als Hohepriester und oberster aller Magier?

Der Mythos um das Geld wurde und wird von Priestern nach Kräften gefördert.
Kirchen sind Zeugen des von ihren Gläubigen geopferten Goldes.

nach oben Papiergeld

Der Schritt zum Papiergeld war dann nicht mehr weit. Die Eintauschgarantie in Gold oder Silber konnte statt für Münzen auch mit entsprechend fälschungssicheren Banknoten
Dollar Note
gegeben werden. Auf dem Original-Dollarschein stand: This note entitles bearer to a fixed quantity (weight) of gold (or silver), the exact amount depending on the face value of the note. [Dieser Schein berechtigt den Inhaber zur Zahlung einer festgelegten Menge/Gewicht an Gold (oder Silber), der genaue Betrag hängt vom Nennwert des Scheins ab.] Zwar fehlte das wann und wo, aber es war ein präzises Inhaltsversprechen des Schuldscheins Dollarnote, denn nichts anderes ist Papiergeld. Dieses Versprechen macht das Papier zu einem Goldersatz, der viele Vorteile hatte. Dieser Dollar war leichter zu transportieren, wurde von allen problemlos akzeptiert und konnte das Vertrauen der Amerikaner erobern. Ursprünglich mussten die Emissionsbanken ausreichend Gold oder Silber in ihren Tresoren lagern, damit sie mögliche Umtauschwünsche befriedigen konnten.

Je mehr das Vertrauen in den Dollar als Zahlungsmittel wuchs, desto seltener wurde das Umtauschrecht in Anspruch genommen, Mit diesem Geldschein konnte man sogar noch besser einkaufen als mit dem schweren Gold, das man immer wiegen musste und bei dem man zudem nicht immer sicher sein konnte ob es echt oder legiert war. Das Inhaltsversprechen des Dollar rückte immer mehr in den Hintergrund, die praktischen Vorteile dieser Dollar-Währung überzeugte. Andere Länder gaben ähnliche Garantien, z.B: das Pfund Sterling oder die 20 Mark Reichgoldmünzen des Deutschen Kaiserreichs in Form werthaltiger Münzen, in die alle anderen Geldnoten und -münzen eingetauscht werden konnten.

Die weitere Geschichte ist bekannt. Die D-Mark war ursprünglich an den Dollar gebunden. Die Möglichkeit, den Dollar in Gold ein zu tauschen, wurde zunächst auf internationale Notenbanken eingeschränkt und die Umtauschrelation von Dollar in Gold mehrfach geändert und schließlich ganz aufgegeben. Es folgte die Freigabe der Wechselkurse. Heute benutzen wir Geld und Währungen ohne das hinter diesen eine konkrete Garantie gegeben wird. Nur das Vertrauen in die Notenbanken hält das Geld und das Währungssystem am Leben. Die Notenbank früher der Deutschen Bundesbank, heute der EZB hat - neben der Versorgung der Wirtschaft mit Bargeld - die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Geldwert stabil bleibt. Vielfach wird angezweifelt, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Eine Vertrauenskrise könnte die gesamte Wirtschaft zum Kollaps führen. Und die Notenbank hat trotz ihrer Instrumente kaum eine Chance, sich einer massiven Krise entgegen zu stemmen. Also muss sie sich andeutende problematische Entwicklungen so früh erkennen, dass sie eine Vertrauenskrise schon im Entstehen verhindern kann. Bisher hat das über seit mindestens 50 Jahren funktioniert. Auch die Bankenkrise von 2008 hat nicht zum Kollaps geführt.

Geld und Handel sind mit verantwortlich für den Erfolg des Homo sapiens.
Als Geld haben viele Surrogate gedient. Entscheidend war der Nimbus, den es genoss.

nach oben Anforderungen an Geld oder wann vertrauen wir dem Geld?

Geld muss viele Anforderungen erfüllen:

nach oben Es muss von Tauschpartnern akzeptiert sein.

Produktion kauft Waren verarbeitet sie und verkauft sie gegen Geld als Standardtauschmittel. Auch der Händel ist darauf angewiesen, dass er Waren mit einem Standardtauschmittel kaufen und sie wieder verkaufen kann. Von einem Standardtauschmittel ist zu fordern:
Geld muss den Tausch bequem und sicher ermöglichen und fördern.
Dazu muss es so begehrt sein, dass es von jedem akzeptiert wird.

nach oben Geld als intertemporaler Wertstandard

Die zweite Funktion von Geld ist seine Wertbeständigkeit. Wenn ich heute z.B. etwas Verderbliches nicht brauche, aber morgen, kann ich statt der Ware Geld aufbewahren und damit morgen meine Bedürfnisse befriedigen.
Fazit: Geld ist keine Ware, sondern das Resultat eines Vertrauens in den Nimbus: Geld
und des Vertrauens in die Institutionen, die dies garantieren (sollen).
Vertrauen muss über lange Zeit aufgebaut werden, durchläuft Krisen und kann schnell weg sein.
Es entspringt letztlich dem elementaren Menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Vorsorge.

nach oben Geldschöpfung und Geldvernichtung

Zentralbanken sollen Preisniveau- und Geldwertstabilität garantieren. Eine Zentralbank hält die Währungsreserve eines Währungsraumes, refinanziert Geschäftsbanken und den Staat. Zentralbanken emittieren Banknoten und bringen diese in Umlauf. Sie sind auch verantwortlich dafür, sie so zu gestalten, dass gefälschte Münzen und Geldscheine entdeckt und aussortiert werden und die Fälscher dann vom Staat ermittelt und bestraft werden. Zur Erfüllung ihrer Ziele und Aufgaben steht der Notenbank eine Reihe von Instrumentarien (im Wesentlichen die Steuerung der Zinshöhe und der Geldmengen) zur Verfügung. Als letzte Refinanzierung von Geschäftsbanken und dem Staat sind sie die Garantiebank für das Bankensystem insgesamt. Daneben sind sie in der Regel gehalten, das Wirtschaftswachstum zu fördern, Daraus kann man nicht schließen, dass sie das Monopol zur Schöpfung von Geld haben. Der größte Anteil an der Geldschöpfung haben die Geschäftsbanken.

Wie man Geld aus dem Nichts schaffen kann, zeigt folgendes Gedankenexperiment: A und B geben sich jeweils einen Kredit von 1 Million, Laufzeit 50 Jahre. Sie können beliebige Zinsen vereinbaren, da sich die jeweiligen Zahlungen gerade saldieren. So haben sie 2 Millionen Geld über 50 Jahre geschöpft. Zum Rückzahlungszeitpunkt wird es wieder vernichtet. Auch hier passiert nichts, weil die Rückzahlungen sich genau saldieren. A kann mit dem so geschaffenen Geld eigentlich nichts kaufen, es sei denn, er überzeugt Verkäufer, dass sie sich statt mit offiziellem Banknoten mit Schuldscheinen bezahlen lassen, die B ja in 50 Jahren einlösen wird. Umgekehrt kann B das gleiche versuchen. Wenn es klappt, haben A und B eine Möglichkeit gefunden, sich mit realer Ware zu versorgen, ohne dafür etwas anderes leisten zu müssen, als Überzeugungsarbeit. Natürlich kommt der Pferdefuß schon bei den ersten Zinszahlungen, denn die Verkäufer wollen dann echtes Geld sehen. Aber vielleicht gelingt es A und B Teile der gekauften Waren gegen echtes Geld zu verkaufen, um damit die Zinsen zu bezahlen. Das kann 50 Jahre gut gehen, bis die Gläubiger von A und B auf der Matte stehen um ihre Schuldscheine gegen A und B einzulösen. Entweder müssen A und B dann einen Offenbarungseid leisten oder sie verlängern den Kredit um weitere 50 Jahre und überzeugen ihre Gläubiger, dass es besser ist, die Schuldscheine weitere 50 Jahre zu behalten als auf der sofortigen Rückzahlung zu bestehen und gar nichts zu bekommen, weil aus der Konkursmasse nichts zu holen ist.

Das Gedankenexperiment scheitert in der Realität vermutlich schon am Misstrauen der Verkäufer, die sich wohl kaum auf den Verkauf von Ware gegen dubiose Schuldscheine einlassen werden, es sei denn, sie halten B für so vertrauenswürdig, dass sie es riskieren, um ihre Ware gegen diese Schuldscheine los zu werden. Geschäftsbanken haben das Image, ihre Versprechungen einzulösen. Dafür spricht ihr vorzeigbares Realvermögen (Gebäude und Banknoten) sowie die Forderungen gegen ihre kreditwürdigen Kreditkunden. Die Verkäufer werden dann statt Banknoten Schuldscheine dieser Bank annehmen, z.B: in Form von Sichtguthaben, Sparbüchern oder Sparbriefen. Auch Staaten werden für vertrauenswürdig gehalten, weil diese zur Rückzahlung - theoretisch - ja bloß von ihren Bürgern höhere Steuern fordern und diese eintreiben können, um die Schuldscheine (die hier Staatsanleihen oder Staatsschuldverschreibungen heißen) einzulösen.

Dass dieses Vertrauen nicht immer gerechtfertigt ist, z.B. weil die Banken dubiose Kredite finanzieren, dubiose Geschäfte betreiben, sogar zahlungsunfähig wie die Lehmann-Bank werden, wenn sie nicht vom Staat bzw. dem Steuerzahler gerettet werden, hat die Bankenkrise 2008 gezeigt. Dass das Vertrauen in Staaten nicht immer gerechtfertigt ist, zeigt aktuell das Beispiel Griechenland. Dort wird einfach die Regierung abgewählt, die ihren Bürgern Opfer abverlangt, um die Staatsschulden zurück zu zahlen.

Kreditaufnahme ist Geldschöpfung, Kreditrückzahlung ist Geldvernichtung.
Alles hängt am Vertrauen in die Versprechungen des Kreditnehmers, dass er diese einlöst.

nach oben Schuldinhaltsversprechen des Papiergelds

Die meisten Menschen vertrauen ihrer eigenen Währung mehr als Fremdwährungen. Sie halten ihre Währung für sicher. Unternehmen, die ihre Einkäufe im Inland mit ihrer eigenen Währung bezahlen und ihre Produkte in Regionen mit anderer Währung verkaufen, gehen ein Wechselkursrisiko ein. Auch der ausländische Hersteller, der Waren importiert sieht sich dem Wechselkursrisiko ausgesetzt. Banken nutzen unterschiedlichen Präferenzen für Währungen, um Kunden ein Hedgegeschäft anzubieten, der das Risiko für beide Hersteller auf Null reduziert, wenn man die Gebühren, die die Bank dafür verlangt, vernachlässigt. Finden sie den Partner für das Gegengeschäft nicht, gehen sie selbst das Risiko ein oder sichern es bei Devisenspekulanten ab.

Wieso aber sind die meisten Menschen so von ihrer eigenen Währung überzeugt, dass sie diese als sicherste Währung einschätzen und andere Währungen als unsicher?

Das Vertrauen in die Banknoten ist also je nach wirtschaftliche Situation des Währungsgebiets und des Landes unterschiedlich. Es hängt von vielen Faktoren ab. Rating-Agenturen versuchen diese objektiv zu erfassen und in einfache Bewertungen zu kondensieren. Dass es dabei nicht immer objektiv zugeht, und z.B. die Heimatregion der Rating-Agenturen, die USA, als AAA eingeschätzt wird, zeigt die Schwierigkeit ein subjektives und emotional geprägtes Urteil wie Vertrauen durch Fakten zu objektiv zu fassen.

Fazit: Es gibt kein absolutes Vertrauen in Geld, sondern nur ein relatives. Bei schwindendem Vertrauen können Leute ihr Geld frei in andere, als sichererer geltende Währungen eintauschen. Diese Möglichkeit sorgt dafür, dass Regierung und Zentralbank dafür sorgen müssen, dass das Vertrauen in ihren Staat und ihre Währung erhalten bleibt, weil sonst die Wirtschaftskrise programmiert ist. Die träge Masse ist naiv und glaubt blind an den Nimbus ihres Geldes. Diese Menschen begründen ihren blinden Glauben, damit, dass es bisher ja ganz gut gegangen ist und daher auch in Zukunft so bleiben wird. In der Regel stimmt das ja auch. Wenn ihr Vertrauen aber enttäuscht wird, werden sie ihren Glauben über Bord werfen. Sie tendieren dann zu radikalen Panikreaktionen.

Je größer das Vertrauen in die eigene Währung, desto sicherer fühlen sich Menschen.
Das Schuldinhaltsversprechen der Banknoten ist ihre Konvertierbarkeit in andere Währungen

nach oben Der Zins ...

"Kredit, ist vom Wortstamm credo abgeleitet. Geld auszuleihen, Kredit zu gewähren, ist eine Frage des Vertrauens. Nur der Vertrauenswürdige hat Kredit. Also ist Kredit das ökonomische (und ggf. moralische Urteil) über einen Menschen." Vertrauen ist bei vielen einfach strukturierten Menschen eine Ja/nein Entscheidung: Entweder man vertraut einander oder nicht. Die Realität ist komplexer. Man arbeitet auch mit Partnern zusammen, und macht mit anderen Geschäfte, mit denen ein Interessengegensatz, ein latenter Konflikt besteht. Sein Gewinn ist mein Verlust. Setzt sich mein Arbeitskollege gegen mich durch, hat er bessere Aufstiegschancen. Gibt der Verkäufer mir einen Preisnachlass, bekommt er weniger Provision. Wenn wir diese Interessen kennen und uns berücksichtigen, können wir beide von der Zusammenarbeit profitieren und einander bis zu einem gewissen Grad vertrauen. Nur bei Handlungen, die den Interessengegensatz berühren, ist Zurückhaltung, Vorsicht oder sogar Misstrauen geboten.

nach oben ... als Misstrauensprämie

Kredit zu geben ist Vertrauenssache. Zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber besteht nach Vergabe des Kredits ein Interessengegensatz. Der Kreditnehmer kann nur schwer daran gehindert werden, das Geld für andere als die besprochenen Zwecke zu benutzen, z.B. um andere Gläubiger, die er dem Kreditgeber nicht genannt hat, zu bedienen, oder das Geld zu veruntreuen, um zum Zeitpunkt der Rückzahlung seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Hier geht es also um die persönliche Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und darum, sich gegen betrügerisches Handeln abzusichern. Fällt von z.B. 21 Krediten mit einer Laufzeit von einem Jahr einer wegen Zahlungsunfähigkeit aus, muss der Kreditgeber 5% Zinsen verlangen, um am Ende sein Geld wieder zu bekommen, da er vorher nicht weiß, gegen welchen Kreditnehmer sein Misstrauen gerechtfertigt ist. Wer z.B. wusste 2000, dass Griechenland unter Vorspiegelung falscher Zahlen dem Euro beigetreten ist und sich langfristig hoch verschuldet hat,, um zu verschleiern, dass es die Kredite nicht - wie vereinbart - zurückzahlen konnte und wollte. Als sich dann langsam herausstellte, was los war, stiegen die Zinsen für griechische Staatsanleihen so hoch, dass nur eine massive Stützung durch die anderen 19 Eurostaaten und den IWF hier einen Staatsbankrott verhindern konnte. Gleichzeitig stiegen auch die Zinsen für Italien, Portugal, Irland und Spanien, weil Kreditgeber misstrauisch wurden: warum sollten diese Staaten sich nicht ebenfalls weigern, die Kredite zu bedienen, wenn in Griechenland solche betrügerischen Manöver möglich waren.

Kreditgeber sind vermutlich misstrauischer gegenüber Unternehmer und Privatleute als gegenüber Staaten. Dort kann es durchaus vorkommen, dass der Investor selbst bei anfänglich besten Absichten seine Versprechungen einzuhalten, bei Veränderungen in der Einschätzung seines Investitionsprojekts zu zweifelhaften Aktionen greift, die die Kreditgeber am Ende schädigen. Da die Zinsen durch die Misstrauensprämie dann so hoch würden, dass Kreditnehmer sie kaum noch zahlen könnten, verlangen die Kreditgeber Sicherheiten. Damit können sie den Gewinn der Kreditnehmer aus betrügerischen Aktionen reduzieren.

Misstrauensprämien sind richten sich gegen betrügerische Aktionen des Kreditnehmers.
Sicherheiten reduzieren Missbrauchsabsichten. Warum gibt's das nicht bei Staatsanleihen?

nach oben ... als Risikoprämie

Während Misstrauensprämien ihre Ursache in möglichen betrügerischen Absichten des Kreditnehmers haben, gibt es noch eine Reihe von objektiven Risiken, die den Kreditnehmer daran hindern können, seinen Verpflichtungen nachzukommen, ohne dass ihm dafür ein Vorsatz unterstellt werden kann. Häufig ist Fahrlässigkeit im Spiel. Der Kreditnehmer glaubt und kümmert sich begreiflicherweise vor allem um den (finanziellen) Erfolg seines Projektes. An Maßnahmen zur Absicherung möglicher Verluste ist er dagegen weniger interessiert, zumal diese häufig einiges kosten und seinen Gewinn im Erfolgsfall schmälern, während im Verlustfall sein Einsatz eh verloren ist. Ob er dann seine Verpflichtungen gegen den Kreditgeber erfüllen kann, ist ihm vielleicht persönlich unangenehm, weil sein Ruf bei zukünftigen Kreditgebern leidet. Aber was soll er machen?

Ein naheliegender Weg ist ein Strategiewechsel: Der Kreditnehmer spielt mit dem noch verbliebenen Geld Roulette oder unternimmt heimlich andere riskante Notprojekte. Gehen sie gut, ist er aus dem Schneider und kann seine Versprechungen gegenüber den Gläubigern einhalten. Oft verbleibt ihm dann selbst auch noch etwas. Da die Notprojekte extrem riskant sind, gehen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schief, und dann ist sowieso alles verloren. Dann wird aus dem Pech vorsätzlicher Kreditbetrug. Und es gibt wenig, was ihn daran hindern könnte, solche Risiken einzugehen. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert...

Maßnahmen gegen objektive Kreditrisiken ähneln denen gegen vorsätzlichen Kreditbetrug: Sicherheiten, und regelmäßige Informationen über den Finanzstatus des Kreditnehmers und das Investitionsprojekt. Auch hier ist die Möglichkeit bewusster oder fahrlässiger Falschinformation einzukalkulieren. Der Zins richtet sich nach dem Kreditausfallrisiko und den Möglichkeiten der Verwertung der Sicherheiten.

Das Kreditausfallrisiko, ob zufällig oder vorsätzlich herbeigeführt, führt zu einem Zinsaufschlag
Kreditgeber wollen eigentlich nur ihr Geld nach einiger Zeit wieder haben und
dem Kreditnehmer anvertrauen ohne sich zwischenzeitlich darum kümmern zu müssen.

nach oben ... als Inflationsausgleich

Jemanden Kredit zu geben, also Geld zu leihen, das er später zurück zahlt, enthält als zweites Problem das graduelle Vertrauen in das Geld. Selbst wenn ich von diesem Kredit nicht profitieren will, weil ich meinem Kreditnehmer voll vertraue, will ich doch bei diesem Vorgang nichts verlieren. Ich werde also einen Inflationsausgleich verlangen, den auch der Kreditnehmer akzeptieren wird, wenn er mich nicht schon bei Vertragsbeginn vorsätzlich schädigen will.

Inflationsraten sind nicht automatisch schlimm. Wenn man die Inflationsrate langfristig kennt, kann man sich mit ihr einrichten. Zinsen, Mieten und andere Preise mit der Dimension Geld/Zeit müssen nur entsprechend angepasst werden. Nur die Einkommensteuern passen sich nicht automatisch an. Je höher die Inflationsrate, desto unattraktiver ist es auch, Bargeld, zu halten. Das Problem besteht eher in der Prognose der zukünftigen Inflationsrate. Liegt sie bei z.B. 20% /Jahr, kann sie schnell auf 25% ansteigen oder auf 15% fallen. Die meisten Notenbanken streben eine Inflationsraten von ungefähr 2% /Jahr an. Zukünftige Inflationsraten sind dann einfacher zu prognostizieren.

Kreditgeber und -nehmer kalkulieren die Inflationsrate in den Zins ein. Probleme entstehen erst, wenn längerfristig die Inflationsrate den Korridor von z.B. zwischen 1% und 3% verlässt. Fällt sie, freuen sich die Kreditgeber - sie können für das Geld, dass sie zurück bekommen, mehr kaufen als kalkuliert. Steigt sie, freuen sich umgekehrt die Kreditnehmer. Inflation ist der Normalfall, Deflation (= negative Inflationsrate) sehr selten und von vielen Volkswirten gefürchtet, weil sich dann angeblich die Kunden zurückhalten etwas zu kaufen, weil sie auf noch billigere Produkte hoffen. Dass da was nicht stimmt, zeigt das Beispiel der Computer. Bezogen auf ihre Leistungsfähigkeit werden sie rasant immer billiger und werden trotzdem intensiv nachgefragt,

Auch moderat inflationierendes Geld ist relativ inflationssicher, wenn man
dessen zukünftige Inflationsrate kennt oder gut prognostizieren kann.
Viele Kreditgeber wollen Sicherheit und mögen keine Prognoserisiken der Inflationsrate.

nach oben ... als Spekulationsobjekt

Fremdkapital ist nur eine Form der Kapitalüberlassung. Sie ist asymmetrisch. Viele Kreditgeber wollen z.B. heute sparen und erst morgen konsumieren und ihr Geld zu diesen Zeitpunkten (oft mitsamt den bis dahin angefallenen Zinsen) zurück. Zwischenzeitlich wollen sie sich möglichst wenig um ihr Vermögen kümmern müssen. Kreditnehmer sehen Chancen, mit dem geliehenen Geld Projekte oder Geschäfte zu tätigen, die ihnen mehr einbringen als sie an Zinsen zahlen müssen. Dafür kümmern sie sich intensiver um das Projekt oder ihr Geschäft und investieren Zeit, um es möglichst profitabel zu gestalten. Der in dieser Form der Kapitalüberlassung eingebaute Konflikt ist bereits dargestellt.

Banken und andere Kreditmakler stehen dazwischen. Sie kümmern sich intensiver um ihre Kredite und die Kreditnehmer und versprechen den Sparern, dass sie sich um ihr Geld nicht zu kümmern brauchen und zum vereinbarten Zeitpunkt zurück bekommen. Auf der Aktivseite verleihen sie Geld, (das sie zu 95% quasi aus dem Nichts schöpfen) meist an Unternehmen, die davon Rohstoffe, Arbeiter usw. bezahlen, die dann etwas Reales herstellen. Zahlt das Unternehmen dann die Kredite und Zinsen zurück, dann vernichten sie das Geld wieder, das die Bank vorher geschaffen hat. Manchmal bekommt die Bank sogar etwas Reales für ihr aus dem Nichts geschaffenes Geld, dann nämlich, wenn der Kreditnehmer zahlungsunfähig wird und die Bank auf die Sicherheiten zurückgreift. Banker beherrschen also die Kunst, aus nichts bzw. Illusionen etwas Reales produzieren zu lassen. Zauberei? Nein! Es ist das Ergebnis eines über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauens in ihre Seriosität und Integrität. Leider sind inzwischen viele Bänker bereit, dieses Vertrauen zu verspielen.

Eine andere Form der Kapitalüberlassung ist die des Eigenkapitals. Hier ist der Vertrag symmetrischer: Alle Eigenkapitalgeber profitieren vom Gewinn und haften für Verlust mit. Bei Zahlungsunfähigkeit bzw. Liquidation werden zuerst alle Gläubiger befriedigt und falls dann noch etwas übrig bleibt, wird dies an die Teilhaber gemäß ihrer Anteile verteilt. Eigenkapital ist also theoretisch eine riskantere Beteiligungsform als der Kredit. Andererseits darf der Teilhaber eine höherer Verzinsung erwarten als die Kreditgeber, denn die Teilhaber werden nur Projekte durchführen und teilweise mit Kredit finanzieren, wenn sie hoffen, dass die Projektrendite höher ist als die Kreditzinsen. Wer sein Vermögen als Eigenkapital investiert, hat im Gegensatz zum Kreditgeber etwas Reales. Ihm gehört nämlich ein seinem Anteil entsprechender Teil des Unternehmens.

Teilhaber können je nach Rechtsform des Unternehmens Aktionäre, GmbH-Gesellschafter, Komandtisten, persönlich haftende Unternehmer oder Genossenschaftsmitglieder sein. Auch bei BGB-Gesellschaften, z.B. einer Erbengemeinschaft sind die Mitglieder Teilhaber oder bei einem Verein die Vereinsmitglieder..

Praktisch ist der Risikounterschied von Eigen- und Fremdkapital geringer als die Theorie suggeriert. Ob nach Liquidation noch etwas Verteilbares für die Teilhaber übrig bleibt, steht in den Sternen. Und dass der Käufer eines Teilhaberanteils eine höhere Verzinsung erwarten darf als der Fremdkaptalgeber, stimmt meistens auch nicht, denn zum Zeitpunkt des Kaufs bezahlt er mit dem Aktienkurs den Erwartungswert aller zukünftigen Gewinne, abgezinst mit einem Kalkulationszinsfuß, der ungefähr dem Fremdkapitalzins entspricht. Mit anderen Worten: Der Teilhaber kauft einen Teilhaberanteil, dessen (erwartete) Verzinsung dem Fremdkapitalzins entspricht. Die zweite Illusion, nämlich dass er im Liquidationsfall schlechter dran ist, als ein Kreditgeber, wird in der Regel ebenfalls enttäuscht. Die Konkursquoten sind nach Abzug der bevorzugten Gläubiger: Arbeitnehmer und Fiskus oft zu klein, dass auch die verbleibenden Fremdkapitalgeber kaum noch etwas bekommen.

Allerdings sind die Schwankungen der Kurse für Eigen- und Fremdkapital sehr unterschiedlich. Während z.B. bei Aktienkursen der Kurs von Angeboten und Nachfragen bestimmt wird, die sich mit jeder relevanten Nachricht über die Gewinnaussichten ändern können, schwanken Fremdkapitalkurse kaum und nur wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Konkurs deutlich ansteigt oder fällt. Beide Anlageformen hängen vom allgemeinen Zinsniveau ab. Stiegt es, sinken die Kurse und umgekehrt. Bei Fremdkapital sind diese Schwankungen um so kleiner, je näher der Rückzahlungszeitpunkt rückt.

Veränderungen des Zinsniveaus sind ein wichtiger Faktor für die Änderungen von Wertpapierkurse, z.B. von Aktien oder Renten mit langer Restlaufzeit. Kann man das Zinsniveau prognostizieren, kann man Wertpapieren Spekulationsgewinne erzielen. Das gilt auch für Unternehmen. Erwarten sie, dass die Zinsen steigen, lohnt es sich für sie, sich zu verschulden und andernfalls Kredite so schnell wie möglich abzubauen.

Prognostizierbare Veränderungen des Zinsniveaus würden Spekulationsgewinne ermöglichen.
Da alle dies wissen und keiner verlieren will, sind Zinsen nicht prognostizierbar.

nach oben ... als Mittel zur Konjunktursteuerung

Keynes hat die Theorie aufgestellt, dass man mit Geldpolitik, insbesondere mit der Zinspolitik die Konjunktur steuern könne. Diese Theorie ist vor allen in den letzten 20 Jahren so oft falsifiziert worden, dass ich mich über die Sturheit der Experten wundere, mit der sie an dieser Theorie festhalten. Auch der Monetarismus, die Geldmengensteuerung sollte inzwischen auf dem Müllhaufen falscher Theorien gelandet sein: Seit 2008 pumpen die Banken und Notenbanken Europas und Amerikas unablässig billiges Geld in die Wirtschaft und die vorausgesagte Inflation tritt einfach nicht ein. Natürlich haben die Keynesianer und Monetaristen noch ein paar Ausreden und liefern Rückzugsgefechte, so leicht lassen die sich vom empirischen Gegenbeispielen nicht von liebgewordenen Vorstellungen abbringen. Sie übersehen aber, dass es in der Wirtschaft nicht nur um Preise und Geldmengen geht, sondern vor allem um Kauf- und Investitionsentscheidungen. Dabei spielen psychologische Faktoren wie Ängste und Wunschträume und (Marketing-) Strategien, die diese beeinflussen eine wichtigere Rolle als Preise und Zinsen.

Wenn etwas die Investitionsentscheidungen beeinflusst, dann sind es die Erwartungen der Akteure. Wenn ein Unternehmer z.B. erwartet, dass die Preise morgen steigen, so wird er heute Kredit aufnehmen und möglichst viele Rohstoffe und Vorprodukte einkaufen, weil er morgen dafür höhere Zinsen für Kredite bezahlen muss und auch die Vorprodukte teurer werden. Da Volkswirte glauben, dass alle Investoren immer die gleichen Erwartungen haben, wird ceteris paribus die Konjunktur anspringen bzw. heiß laufen. Leider werden die Unternehmern feststellen, dass die Kreditgeber ebenfalls nicht so dumm sind, wie die Volkswirte sie gerne darstellen, weil diese in Erwartung der höheren Kreditnachfrage auch höhere Zinsen fordern, und dass auch die Lieferanten von Vorprodukten ihre Preise der steigenden Nachfrage anpassen. Die ceteris paribus Annahme unterstellt also, dass alle Wirtschaftssubjekte dumm sind und bleiben, so lange Volkswirte an irgendwelchen Stellschrauben drehen. Ich unterstelle dagegen, dass Investoren, Unternehmer, Banker, Spekulanten und andere Akteure nicht dümmer sind als Volkswirte oder Wirtschaftstheoretiker. Weiter unterstelle ich, und dass sie keineswegs einheitliche Erwartungen haben, sondern mit diesen Erwartungen an die Börsen gehen, wo optimistische und pessimistische Prognosen aufeinander treffen und zu Umsatz und Handel führen. Da an Börsen die Kurse einem Random Walk unterliegen, also völlig zufällig und unvorhersehbar schwanken, ist es plausibel, dass auch Konjunkturen einem Zufallsprozess unterliegen. Anders formuliert: Weil Akteure der Wirtschaft lernende Wesen sind, werden Maßnahmen, ihr Handeln zu beeinflussen von diesen bald erkannt und gekontert. Damit werden Rezepte zu Einmalaktionen, die sich sehr schnell als nicht mehr wirksam erweisen.

Die Akteure der Wirtschaft sind lernende Wesen.
Es gibt keine Rezepte zur Steuerung der Wirtschaft.

nach oben Die Geldmenge

Für die Makroökonomie ist die Geldmenge eine Messgröße, mit der man glaubt(e), Wachstum, Konjunktur und Inflation so beeinflussen zu können, dass man sie damit steuern könne. War ursprünglich darunter nur die Menge an Münzen und Banknoten (M0) gemeint, hat man die Definition mehrfach (M1, M2) erweitern müssen, weil Banken und andere Finanzinstitute sonst die Geldmengensteuerung unterlaufen können. Nicht nur, dass die Geldmengendefinitionen je nach Nation und Währung unterschiedlich ausfallen, hat sich die Theorie, dass man damit die Wirtschaft nach Belieben steuern könne, als empirisch zweifelhaft erwiesen. Die Europäische Zentralbank hat in den Jahren von 2000 bis 2016 die Geldmengen M1 bis M3 fast verdreifacht, ohne das es zur befürchteten Inflation kam. Die Inflationsrate war kaum nennenswert. Der erhoffte Wirtschaftsaufschwung in den Problemstaaten der EWU (Griechenland, Italien, Portugal) ist ebenfalls nicht im erwarteten Ausmaß eingetreten - im Gegenteil: in diesen Staaten war das BIP Wachstum zwischen 2000 und 2015 negativ.

Wie wird sich die Geldmenge und ihre Steuerung gestalten, wenn sich die neue Währung des BITCOIN, zunächst nur für den Zahlungsverkehr, später auch für Geldanlagen durchsetzt? Die Umstellung auf BITCOIN ist eigentlich nur konsequent - schon heute ist Geld praktisch nicht mehr greifbar - es existiert nur in Bits und Bytes in vernetzten Computersystemen. Mit BITCOINS können die Banken und Kreditkartenorganisationen aus dem Zahlungsverkehr ausgeschaltet bzw. ersetzt werden, was den Zahlungsverkehr vereinfacht und seine Kosten auf ein Zehntel absenkt. Wird diesem Geld genau so viel vertraut wie dem bisherigem Geld? Können sich die Menschen auf einen Algorithmus genauso oder noch mehr verlassen als auf einen Währungshüter, z.B. die EZB? Muss dann die Definition der Geldmenge angepasst werden? Wie soll dort die Besteuerung (MWST, EST ...) funktionieren? Noch ist dies alles im Entstehen und die Banken und Kreditkartenorganisationen werden alles versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten - vermutlich vergeblich.

Bitcoins oder andere Kryptowährungen werden das heutige Geld ersetzen.
Was bedeutet das für das Finanzsystem?